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Verkehrsunfallstatisik 2011 
Verkehrsunfallbilanz 2011 

Unfallzahlen leicht rückläufig - Mehr Verletzte und Verkehrstote - Junge Fahrer übermäßig Unfallverursacher

LANDKREIS RAVENSBURG (kn)

Eine durchwachsene Bilanz hat Uwe Stürmer, Leiter der Polizeidirektion Ravensburg, anlässlich der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2011 gezogen. Zwar ging die Gesamtzahl der Unfälle um 2,1 Prozent auf 7097 (2010: 7256) zurück. Getrübt wird die Unfallstatistik aber durch den Anstieg der Verkehrsunfälle mit Personenschaden um 9,7 Prozent. „Steigendes Verkehrsaufkommen und höhere Fahrzeugzulassungen schlagen sich in vermehrten Verletztenzahlen und bei den getöteten Verkehrsteilnehmern nieder“, sagte Uwe Stürmer. „Bereits geringe Fahrfehler können bei hoher Verkehrsdichte gravierende Folgen haben.“ Insbesondere junge Fahrer sind überproportional an Unfällen beteiligt.

Der Rückgang der Unfallzahlen ist hauptsächlich auf die Abnahme von sogenannten Bagatellunfällen um 4,7 Prozent zurückzuführen. Ihre Zahl sank von 4458 im Vorjahr auf 4250 im Jahr 2011. Hier lag beim Unfallverursacher lediglich eine unbedeutende Ordnungswidrigkeit zu Grunde und es entstand im Regelfall nur geringfügiger Sachschaden. Dagegen haben sich bedeutende Verkehrsunfälle um rund 1,8 Prozent erhöht. Deren Unfallzahlen lagen mit 2847 Unfällen um 49 höher als 2010 (2798).

Unfallfolgen

Getrübt wird die Unfallbilanz durch die um rund 9,7 Prozent im vergangenen Jahr gestiegenen Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Bei 20 Unfällen verloren 21 Verkehrsteilnehmer ihr Leben. Dies bedeutet gegenüber dem Jahr 2010 mit 15 getöteten Unfallopfern einen Anstieg um 6 Verkehrstote. Allerdings handelte es sich 2010 um den zweitniedrigsten Wert seit Einführung der Unfallstatistik. In der längerfristigen Betrachtung der vorangegangenen zehn Jahre mit einem Durchschnitt von 25 Verkehrstoten pro Jahr liegt der Wert für 2011 damit im Schwankungsbereich der Vorjahre. Am häufigsten ließen Pkw-Lenker (9 Personen) und deren Mitfahrer (3 Personen) ihr Leben auf der Straße. Zudem zogen sich 4 Motorradfahrer, 4 Radfahrer (davon 1 Pedelec-Fahrer), 1 Lkw-Fahrer sowie 1 Fußgänger tödliche Verletzungen zu.

Bei insgesamt 1063 Verkehrsunfällen (2010: 969) gab es Personenschaden. Dabei wurden 1381 Verkehrsteilnehmer (2010: 1312) verletzt. Dies ist der zweitniedrigste Wert im Landkreis Ravensburg nach dem historischen Tiefstand im vergangenen Jahr. Die Zahl der Schwerverletzten stieg von 287 im Vorjahr auf 319 im Jahr 2011. Ähnlich sah es bei den Leichtverletzten aus. Hier lag der Anstieg bei 1025 Verkehrsopfern in 2010 auf 1062 Personen im Jahr 2011.

Junge Fahrer

Junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren waren vergangenes Jahr bei einem Bevölkerungsanteil von lediglich 8,7 Prozent (Stand: Dez. 2010) an 24,1 Prozent des Gesamtunfallgeschehens als Unfallverursacher beteiligt. Trotz eines leichten Rückgangs gegenüber 2010 (24,6 Prozent) blieben sie damit Hauptrisikogruppe. Bei insgesamt 485 Verkehrsunfällen (2010: 476) waren die Unfallverursacher der Gruppe der jungen Fahrer zuzuordnen. Dabei wurden 7 Verkehrsteilnehmer (2010: 3) getötet. 80 Personen (2010: 79) erlitten schwere und 300 Personen (2010: 311) leichte Verletzungen.

Bei 35 Verkehrsunfällen standen die 18- bis 24-Jährigen unter Alkoholeinfluss. Durch diese Alkoholunfälle wurden 6 Verkehrsteilnehmer schwer verletzt, 7 Verkehrsteilnehmer kamen mit leichten Verletzungen davon. In weiteren 3 Unfällen standen die Fahranfänger unter Drogeneinfluss. Hierbei kamen keine Personen zu Schaden.

Anhand der Unfallzahlen lässt sich ablesen, dass mit zunehmendem Alter und steigender Fahrpraxis das Risiko, einen Unfall zu verursachen erheblich absinkt. So verursachten die 18-Jährigen (106 Unfälle) mehr als 2,5 Mal so viele Unfälle, wie die 24-Jährigen (40 Unfälle).

Alkohol und Drogen

Bei 141 Verkehrsunfällen stellte die Polizei 2011 bei mindestens einem Beteiligten eine Alkoholisierung fest. Damit wurden rund 26 Prozent mehr Alkoholunfälle registriert als im Jahr davor. Die Unfallursache Alkohol forderte im vergangenen Jahr 2 Tote, 30 Schwerverletzte und 50 Leichtverletzte.

Ebenfalls einen Anstieg verzeichnete die Polizei bei der Drogenbeeinflussung der Unfallverursacher. Nach 4 Verkehrsunfällen unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln im Vorjahr waren es 2011 insgesamt 8 Unfälle.

Damit stellen Verkehrsunfälle unter dem Einfluss berauschender Mittel eine wesentliche Unfallursache dar. „Gerade in Anbetracht der oft schwerwiegenden Unfallfolgen wird die Polizei im Landkreis Ravensburg auch weiterhin ihre Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen unvermindert fortsetzen“, betont Uwe Stürmer. „Auf die Unfallursache Alkohol und Drogen werden wir ein verstärktes Augenmerk legen.“ Im Jahr 2011 wurden von den Beamten unabhängig von Verkehrsunfällen insgesamt 532 Fahrzeuglenker unter Alkoholeinwirkung sowie 167 Fahrzeugführer unter akuter Drogenbeeinflussung am Steuer festgestellt. Dies entspricht wöchentlich rund 10 aufgedeckten Alkohol- und 3 Drogenfahrten, die regelmäßig zu Fahrverboten oder zum Verlust der Fahrerlaubnis führten.

Hauptunfallursachen

Hauptunfallursachen waren wie in den Vorjahren vor allem Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren, gefolgt von Verstößen gegen Vorfahrts- und Vorrangregeln, ungenügendem Sicherheitsabstand und überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit. Bei fast allen Geschwindigkeitsunfällen hatten die Unfallverursacher ihr Tempo nicht den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- oder Wetterverhältnissen angepasst. Fast jeder 6. Unfall mit Personenschaden (15,8 Prozent) im Landkreis wurde durch eine zu hohe oder unangepasste Geschwindigkeit verursacht.

Nicht in der Statistik ausgewiesen, jedoch aus der Unfallsachbearbeitung bekannt, taucht immer wieder das Handy als Unfallursache auf. Gerade bei schwersten Verkehrsunfällen besteht mitunter der Verdacht, dass der Verunglückte durch das Benutzen des Mobiltelefons vom Verkehrsgeschehen abgelenkt war.

Fußgänger, Radfahrer und motorisierte Zweiradfahrer

Im Jahr 2011 wurde die Polizei zu insgesamt 93 Verkehrsunfällen (2010: 87) unter Beteiligung von Fußgängern gerufen. Die Fußgängerunfälle 2011 liegen damit im rückblickenden Vergleich mit den Jahren bis 2000 im unteren Drittel der Fallzahlen. Bei 29 (2010: 26) der Unfälle 2011 setzten die Fußgänger selbst die Ursache. Dies ist nach 2010 mit 26 selbst verschuldeten Unfällen der zweitniedrigste Wert seit dem Jahre 2000. Dass Fußgänger zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern zählen, belegt der Umstand, dass fast 100 Prozent der Unfälle unter Beteiligung von Fußgängern zu Personenschaden führten. Dabei kam 1 Fußgänger (2010: 1) zu Tode, 30 Fußgänger (2010: 28) wurden schwer und 61 (2010: 52) leicht verletzt.

Bei den Verkehrsunfällen mit Fahrrädern zeichnete sich 2011 ein deutlicher Anstieg ab. Radfahrer haben keine Knautschzone. Dies zeigte sich bei dem hohen Verletzungsrisiko der Beteiligten. Es wurden bei 289 Verkehrsunfällen (2010: 225) insgesamt 4 Radfahrer (2010: 2) getötet. Sie stammten jeweils aus der Altergruppe über 65 Jahren. 76 Radfahrer (2010: 55) zogen sich schwere Verletzungen zu, 176 Radler erlitten leichtere Blessuren. Bei rund 60 Prozent der Fälle (2011: 174, 2010: 129) verursachten die Radfahrer den Verkehrsunfall selbst. Die Unfallzahlen und die Werte der selbstverschuldeten Fälle liegen damit leicht über dem langjährigen Mittelwert. Unverständlich bleibt dabei die mangelnde Bereitschaft zum Tragen eines Fahrradhelms. Nur knapp über die Hälfte der Unfallopfer (56,7 Prozent) hatten einen Kopfschutz auf. Dieser kann das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich minimieren. Die Polizei empfiehlt daher die Benutzung von Schutzhelmen. Erwachsene und Eltern sollten dabei mit gutem Beispiel vorangehen und sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein.

An 241 Verkehrsunfällen (2010: 185) im Jahr 2011 waren motorisierte Zweiradfahrer beteiligt. Damit stieg die Zahl der Unfälle erstmalig nach zwei Jahren mit deutlichen Absenkungen wieder auf das Niveau der Jahre 2005 bis 2008 an. 113 Mal (2010: 96) trugen die Roller- und Motorradfahrer selbst die Verantwortung für den Verkehrsunfall und waren damit bei etwa 47 Prozent selbst Unfallverursacher. 4 Biker (2010: 2) im Alter zwischen 25-64 Jahren ließen ihr Leben auf den Straßen des Landkreises. Die Anzahl der getöteten Motorradfahrer ist bundesweit ebenfalls um rund 20 Prozent angestiegen. Schwere Verletzungen wurden bei 73 Zweiradfahrern (2010: 64) diagnostiziert. Leichte Verletzungen erlitten 132 (2010: 111) Personen.

Im Landesvergleich stiegen die Verletzten bei Motorradunfällen um 21,7 Prozent an. Im Kreis Ravensburg lag die Steigerungsrate bei 17,1 Prozent. Beeinflusst wurden die gestiegenen Unfall- und Verletztenzahlen von der guten Motorradsaison 2011 mit einem warmen und trockenen Frühling, vielen Sonnentagen und hohen Fahrleistungen. Im langjährigen Mittel liegen die Unfallzahlen bei motorisierten Zweirädern im Jahr 2011 leicht über dem Durchschnitt der Vorjahre. Die Verursacherquote rangiert dagegen leicht unter dem Mittelwert.

Unfallflucht

Die Anzahl der Unfallfluchten ging 2011 um 2,7 Prozent auf 1202 Verkehrsunfälle (2010: 1236) zurück. Der Anteil der Unfallfluchten am Gesamtunfallgeschehen beläuft sich für das Jahr 2011 auf 16,9 Prozent (2010: 17 Prozent). Damit entfernte sich jeder 6. Unfallverursacher unerlaubt von der Unfallstelle. Meist handelte es sich um sog. Parkrempler, bei denen Sachschaden entstand. 440 Unfallfluchten und damit mehr als 1/3 der Flüchtigen (36,6 Prozent) wurden von der Polizei ermittelt. Ihnen drohen Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafe sowie der Verlust des Führerscheins.

Autobahn

Die Autobahn A 96 führt auf einer Länge von knapp 49 Kilometern zwischen Memmingen und Lindau in Nord-Süd-Richtung durch das östliche Kreisgebiet des Landkreises. Hier ereigneten sich 2011 insgesamt 317 Verkehrsunfälle (2010: 353). Der Rückgang der Unfallzahlen um 10,2 Prozent spiegelt sich auch in den rückläufigen Zahlen der schweren Unfälle wider. Bei 42 Verkehrsunfällen (2010: 45) wurde 1 Verkehrsteilnehmer getötet. Im Vorjahr war kein Todesopfer zu beklagen. 18 Unfallbeteiligte (2010: 23) wurden schwer, 45 (2010: 50) leicht verletzt. Hauptunfallursache war wie bereits schon in den Vorjahren nicht angepasste oder überhöhte Fahrgeschwindigkeit sowie Fehler beim Überholen.

Grafik 1: Unfallentwicklung im Landkreis Ravensburg 2001-2011 (ohne Autobahn) 

Grafik 2: Anzahl der Verletzten im Landkreis Ravensburg 1991-2011 (ohne Autobahn)

Grafik 3: Anzahl der Verkehrstoten im Landkreis Ravensburg 1998-2011 (ohne Autobahn)